Der Dicke Hund im Oktober

Der Dicke Hund weiß: Wo gebaut wird, geht etwas voran. Und in Hof geht derzeit offenbar besonders viel voran. Wer sich durch die Stadt bewegt, begegnet Umleitungen, Absperrbaken und Baustellenampeln inzwischen fast so regelmäßig wie dem Wärschtlamo. Das wäre alles halb so wild, wenn da nicht diese Sache mit den Zeitplänen wäre. Bestes Beispiel: die Ortsdurchfahrt Haidt. Eigentlich sollte die B173 dort bis Dezember 2026 fertig sein. Nun heißt es: drittes Quartal 2027. Grund sind unter anderem Versorgungsleitungen, die anders liegen als in den vorhandenen Unterlagen verzeichnet. Immerhin soll die Straße während der Winterpause wieder befahrbar sein. Und auch in Krötenbruck heißt es länger Geduld haben. Der Umbau der Eppenreuther Straße samt Rauhbachbrücke und Kreuzung am Südring sollte ursprünglich ebenfalls Ende 2026 abgeschlossen sein. Inzwischen lautet der Zeitplan: Ende 2027. Auch hier sorgten unter anderem notwendige Arbeiten an Versorgungs- und Hausanschlüssen für Verzögerungen. Natürlich weiß auch der Dicke Hund, dass sich unter einer Straße so manche Überraschung verstecken kann. Trotzdem fragt er sich: Wie kann aus „Ende 2026“ gleich zweimal „irgendwann 2027“ werden? Vielleicht sollte man bei künftigen Baustellen vorsichtshalber nicht mehr fragen: „Wann seid ihr fertig?“, sondern: „In welchem Jahr ungefähr?“ Denn gebaut werden muss. Aber wer monatelang Umwege fährt, darf zumindest hoffen, dass aus angekündigten Zeitplänen nicht regelmäßig Wunschzettel werden. Für uns: der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im September

Der Dicke Hund hat nichts gegen ein ordentliches Festival. Musik, Freunde, ein paar Tage Ausnahmezustand – alles wunderbar. Weniger wunderbar ist allerdings das, was auf manchen Campingplätzen nach der Abreise zurückbleibt. Alte Sofas, Pavillons, Grills, Möbel und jede Menge Verpackungsmüll werden kurzerhand stehen gelassen. Was zu Hause offenbar nicht mehr gebraucht wird, muss ja schließlich auch irgendwo hin. Ein aktuelles Beispiel liefert das SonneMondSterne-Festival in Saalburg. Nach der Abreise von rund 36.000 Besuchern blieben kaputte Pavillons, Möbel, ungeöffnete Lebensmittel und sogar ein ausgedienter Betonmischer zurück. Dazu jede Menge Konfetti auf den Wiesen. Dabei gibt es sogar ein Müllpfandsystem: Für einen gefüllten Müllsack gibt es fünf Euro zurück. Offenbar reicht der Anreiz bei manchen aber nur für einen Sack – der Rest bleibt liegen. Und genau hier fragt sich der Dicke Hund: Muss man wirklich sein altes Sofa hunderte Kilometer zum Festival schleppen, nur um es anschließend dort stehen zu lassen? Natürlich sind längst nicht alle Festivalbesucher solche Müllsünder. Viele räumen ihre Camps vorbildlich auf. Eigentlich gilt eine ganz einfache Regel: Hinterlasse den Platz so, wie du ihn vorgefunden hast – oder besser. Feiern darf man. Aber das Festivalgelände ist kein Sperrmüllplatz. Für uns der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im August

Der Dicke Hund fährt gerne Auto. Nicht aus Bequemlichkeit – schließlich geht er die meisten Wege lieber auf vier Pfoten. Aber wer im Hofer Land lebt, weiß: Ohne Auto wird der Alltag schnell zum Hindernislauf. Der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Sportverein ist selten mit Straßenbahn oder U-Bahn zu bewältigen. Und so gehört der Blick auf die Zapfsäule für viele Menschen hier fast schon zur Wochenroutine. Doch genau dieser Blick sorgt derzeit wieder für Schnappatmung. Anfang Juli lief in Deutschland der Tankrabatt aus – und die Preise an den Zapfsäulen machten einen ordentlichen Satz nach oben. Kaum hatte man sich daran gewöhnt, fiel am 20.Juli auch noch in Tschechien die Preisbremse für Kraftstoffe. Ausgerechnet dort also, wo viele Menschen aus der Region
bislang wenigstens ein wenig sparen konnten. Über Jahre war der Tanktourismus
nach Asch, Mokřiny, Vojtanov und co fast schon ein Ritual. Natürlich freute sich der Dicke Hund nicht darüber, dass Kaufkraft regelmäßig über die Grenze wanderte. Das Geld hätte schließlich auch gerne im Hofer Land bleiben dürfen. Aber vielen Autofahrern konnte man den Abstecher kaum verdenken. Wer bei einer Tankfüllung zehn oder fünfzehn Euro spart, überlegt nicht lange – erst recht nicht in Zeiten, in denen ohnehin alles teurer wird. Nun wird auch dieser kleine Preisvorteil Stück für Stück aufgefressen. Also wohin jetzt? In Hof teuer tanken? Oder in Tschechien etwas weniger teuer? Der Dicke Hund hat lange überlegt, kennt die Antwort aber auch nicht. Deshalb richtet er einen Wunsch nach Berlin. Wenn steigende Energiepreise Familien, Pendler, Handwerker und Unternehmen gleichermaßen belasten, dann braucht es mehr als wohlklingende Durchhalte-
parolen. Ob Tankrabatt, niedrigere Energiesteuern oder ein anderes wirksames Modell – darüber lässt sich streiten. Aber einfach zuzusehen, wie Autofahrer Monat für Monat tiefer in die Tasche greifen müssen, kann auf Dauer keine Lösung sein.

Der Dicke Hund im Juli

Der Dicke Hund mag Fahrradfahrer. Sie verpesten nicht die Luft, nehmen nicht so viel Platz weg wie Autos und tun außerdem etwas für ihre Gesundheit. Deshalb gibt es ein freudiges Schwanzwedeln für jeden neuen Fahrradweg. Auch in der Hofer Flaniermeile, der Ludwigstraße. Hier rollen Radfahrer bequem von der Altstadt in Richtung Theresienstein, vorbei an Rathaus, Geschäften und Cafés. Im September 2025 wurde dort ein Fahrradstreifen für mehr Sicherheit angebracht. Zumindest war das der Plan. Doch was ist das? Nur wenige Monate später sollen die strahlend weißen Linien samt Piktogrammen auf dem Asphalt schon wieder verschwinden. Kostenpunkt: 1.500 Euro. Der Grund: Der Fahrradstreifen sorgt offenbar nicht für mehr Schutz, sondern kann Radfahrer sogar in Gefahr bringen. Denn wer auf dem markierten Streifen unterwegs ist, fühlt sich zwar sicher. Das Problem ist nur: Ausparkende Autofahrer sehen die Radfahrer unter Umständen nicht rechtzeitig. Zumindest im Bereich unterhalb des Rathauses, wo die Parkplätze quer zur Fahrbahn angeordnet sind und Fahrzeuge rückwärts ausparken müssen. Das eigentlich Erstaunliche daran: Vor genau diesem Szenario hatte die Polizei bereits vor der Einführung des Fahrradstreifens gewarnt. Und – Überraschung, Überraschung – nur wenige Monate später kam es genau zu einem solchen Zusammenstoß. Aus dem Fahrradstreifen wurde damit ein Unfallstreifen – mit einem verletzten Radfahrer. Der Dicke Hund fragt sich: Wäre es nicht klüger gewesen, gleich auf die Polizei zu hören?

Der Dicke Hund im Juni

Der Dicke Hund erinnert sich: Cocktailschlürfen am Saalestrand, eine stimmungsvoll illuminierte Natur, eine große Wasserfontäne mitten in der Saale, Wasser plätschert und lokale Bands und DJs sorgen für die musikalische Umrahmung. Das war über viele Jahre das Erfolgskonzept des Saaleauenfestes. Lachende Familien, die mit Wasserpistolen sich nass spritzen und Stadträte, die ehrenamtlich an der Kasse sitzen. Gefühlt halb Hof befand sich an diesem Abend in Urlaubsstimmung. Und das Beste: Die Veranstaltung spülte sogar Geld in die Kasse. Wichtige Einnahmen, die wiederum für den lokalen Einzelhandel eingesetzt wurden. Dann kam der Wechsel an der Spitze des Stadtmarketings. Warum dieser ausgerechnet das Erfolgsmodell Saaleauenfest rundum erneuern musste, hat sich den Hofern nie erschlossen. Erst recht nicht, als die erste Veranstaltung aufgrund teurer Bands ein finanzielles Loch ins Budget riss – und schon gar nicht, als dieses Minus-Konzept noch zweimal wiederholt wurde. Die Leitung des Stadtmarketings hat sich inzwischen verabschiedet und die Hofer hoffen, ihr Vorzeige-Sommer-Event zurückzubekommen. Doch falsch gedacht: Das Fest wird in diesem Jahr ausgesetzt „aufgrund personeller Veränderungen innerhalb des Vereins, der damit verbundenen kurzfristigen Planungssituation sowie aktueller wirtschaftlicher Unsicherheiten und finanzieller Risiken.“ Zumindest nächstes Jahr, also 2027, dürfen wir uns nach dem Hofer Volksfest wieder das Saaleauenfest im Kalender eintragen – hoffentlich so, wie wir es kennen und lieben. Gerne wieder mit Hofer Organisationen und Vereinen wie dem SV Hof mit seinen Kanuten und den Reservisten der Bundeswehr, die Besuchern dabei helfen, sich wie Indiana Jones über die Saale zu hangeln. Weniger „Rock im Park“ und mehr Familienurlaub mit Freunden. Für uns der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im Mai

Der Dicke Hund mag Tiere – auch mitten in der Stadt. Schwierig wird es jedoch, wenn ihre Hinterlassenschaften überhandnehmen und das Einkaufserlebnis zwischen Kinderspielzeugladen und Familiencafé gründlich vermiesen. So etwa in der Hofer Lorenzstraße vor dem ehemaligen Woolworth und der früheren Spielothek. Der Kampf gegen den Leerstand lässt sich jedenfalls nicht mit einer Taubenplage gewinnen. Außer vielleicht, wenn man Adrian Rossner – alias der Wirtsgogl – glauben mag. In der Meinel Tenne erklärte er augenzwinkernd, es handle sich eigentlich um ein „Taubenkompetenzzentrum“. Die Fastenpredigt bringt auch den Dicken Hund auf kreative Gedanken. Warum nicht den abgekratzten Taubenkot als Düngemittel verkaufen und damit den städtischen Haushalt sanieren? Auch die Vorstellung einer Umsiedlung gefällt ihm. Nur wenige hundert Meter weiter, auf dem Schiller-Areal, hätten die gefiederten Freunde beste Bedingungen für kommende Taubengenerationen. Auf dem brachliegenden, rund 16.000 Quadratmeter großen Schutthaufen wäre sogar noch Platz für die invasiven Kanadagänse vom Untreusee. Solange sich jedoch Vögel samt Hinterlassenschaften ausgerechnet in der Hofer Fußgängerzone ungehindert ausbreiten – befeuert von Unbelehrbaren, die tütenweise Taubenfutter dazukippen – bleibt das für uns: der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im März

Der „Innenstadt-Papst“ Christian Klotz nannte bei seinem vielbeachteten Vortrag 2019 die Altstadt-Passage einen „Schandfleck“. Das mag manchem dort ansässigen Geschäft nicht gerecht werden. Doch mit dem seit zwei Jahren blinkendem „Spiele-Laden“ gewinnt die Beschreibung des Innenstadt-Experten an Plausibilität. Wer sich unter einem „Spiele Laden“ Tisch-Kicker, UNO und liebevoll sortierte Puzzles vorstellt, der irrt. Stattdessen stehen Spielautomaten und -konsolen in verschiedensten Ausführungen in einem schmucklosen Raum, der zum Zocken animiert – ohne Toilette, aber mit Kaugummiautomat. Blinklichter, Soundeffekte, Dauerbeschallung. Zielgruppe: Kinder und Jugendliche. Bei ähnlichen Plänen für Kulmbach gab es kritische Stimmen im Stadtrat. Hauptargument: die Spielsucht werde gefördert. Automaten sind mit über 80 Prozent die häufigste Form von Spielsucht. Und selbst wenn es nicht soweit kommt, ist es immer ein trauriger Anblick, wenn Kinder wie in Trance vorm Bildschirm sitzen. Zugegeben – solche Szenen kennt man auch vom heimischen Smartphone. Man könnte sich beim Angebot für Familien aber auch nach oben orientieren statt nach unten. Zum Beispiel am neu eröffneten Café „Honighaus“ nahe der Marienkirche: ein Familiencafé mit großzügigem Spielebereich, gepflegter Einrichtung, einer herzlichen persönlichen Betreuung und Atmosphäre zum Verweilen. So kann Innenstadt auch gehen.

Der Dicke Hund im Februar

„Hof ist eine Bierstadt“, das war ein Werbespruch, der bis vor wenigen Jahrzehnten mt Fug und Recht bestand. Von „B“ wie Bavaria- und Bürgerbräu über Deininger-, Falter-, Löwen-und Meinel- bis zu Scherdel-, Schmidt‘s Heiner- und „Z“ wie Zeltbräu. Übrig geblieben sind mit der Brauerei Scherdel und der Meinel-Bräu zwei Brauereien. Für Scherdel wurde zum Jahresende die Schließung bekanntgegeben, so dass dann nur noch die familiengeführte Meinel-Bräu übrig bleibt. Freilich stellen sich Fragen auf, wie: Was wird dann mit der Belieferung zum traditionellen Hofer Schlappentag? Nach der Schließung der Hofer Zeltbräu hatte die Scherdelbräu das Schlappenbier eingebraut und auf den Markt gebracht. Das ist auch dieses Jahr gesichert. Wer aber im kommenden Jahr das Bier zum Hofer Schlappentag einbraut steht noch nicht fest. Auf die Meinelbräu als dann letzte Hofer Brauerei wartet eine große Aufgabe als die im kommenden Jahr letzte Bierbrauerei in der Stadt Hof. Ganz nach dem Motto: Es gibt viel zu tun, packen wir‘s an. Oder in diesem Fall: Es gibt viel zu tun, drink mer nuch aans!“.

Der Dicke Hund im Januar

„Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ sang schon in den 70er Jahren Jürgen Marcus. Aber ein neues Leben birgt eben auch das Risiko, schnell wieder alt zu werden. Also sind wir zufrieden mit dem was wir haben. Das ist schon mal ein gutes Motto für das neue Jahr, das uns bevor steht. Bereits nach dem Jahreswechsel stellt sich heraus, dass alles beim alten geblieben ist. Ob das Alte gut oder schlecht war, wird sich noch herausstellen. Bei der Kostenentwicklung steht allerdings schon fest: Zieht euch warm an. Außer der Butter klettern die Preise zum Teil sprunghaft nach oben, Einkommen und Renten können da nicht mithalten. Da kehrt der Sparzwang in vielen Haushalten ein.Die großen Verbraucher- und Supermärkte locken mit verführerisch hohen Rabatten. Doch die gelten erst ab einem Einkauf von Mindestbeträgen oder Apps. Zumindest hat der Kunde noch die Möglichkeit, weniger einzukaufen und weniger Rabatt zu bekommen. In vielen anderen Bereichen hat Otto Normalverbraucher derartige Auswahlmöglichkeiten nicht. Zum Beispiel bei den Versicherungen. Die gehen in vielen Fällen nach oben. Da bleibt dem Durchschnittsbürger, der mit jedem Pfennig, jetzt richtigerweise Cent, rechnen muss, nur der Spartipp eines Politikers aus früheren Zeiten, der da hieß: „Gürtel enger schnallen!“. Für alle, die schon beim letzten Loch des Gürtels angelangt sind, ist das der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im Dezember

„Hof, Braustätte guter Biere.“ – Mit diesem Spruch schmückte sich die Stadt Hof zu einer Zeit, als es dort noch zahlreiche Braustätten gab – und warb damit auf Briefen, die von Hof in alle Welt gingen. Von einst zehn Brauereien in der Stadt sind heute nur noch zwei übrig geblieben: die Scherdel und die Meinel-Bräu. Anfang 2027 wird die Scherdel-Brauerei Produktion und Vertrieb in Hof einstellen, sodass nur noch die Meinel-Bräu bleibt. Und es sieht danach aus, dass zwei junge Frauen die Hofer Biertradition am Leben erhalten werden: Gisela und Monika Meinel-Hansen. Zum Glück gibt es mit der Brauerei Stelzer in Fattigau noch eine weitere, familiengeführte Braustätte im Hofer Land, die ebenfalls auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken kann. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Brauriesen immer mehr kleine Brauereien vereinnahmt. Deshalb wird „Bier von hier“ immer mehr zur Ausnahme. Im kommenden Jahr kann die Stadt Hof noch zwei Braustätten vorweisen – ein Jahr später, 2027, bleibt nur noch die von Frauenpower geführte Meinel-Bräu als Hofer Braustätte übrig. Von zehn Brauereien auf nur eine im Jahr 2027 – das ist für uns der dicke Hund des Monats.