Der dicke Hund im März

Alles wird gut. Vorausgesetzt der Corona-Inzidenzwert fällt unter den Schwellenwert von 35 Neuinfektionen. Da schlackert der Dicke Hund aber mit den Ohren. Seit vielen Wochen liegen in der Statistik (links) des Robert-Koch-Instituts die Landkreise Tirschenreuth und Wunsiedel deutschlandweit an der Spitze mit Werten von zum Teil über 300, mit etwas Abstand gefolgt von der Stadt und dem Landkreis Hof mit in der Regel über 200. Der Dicke Hund wirft neidisch einen Blick auf die Städte Ingolstadt, Schweinfurt oder Regensburg, die mit 12 bis 26 ganz am Ende der Statistik liegen. Während dann dort schon tüchtig gefeiert werden kann, liegt bei uns noch alles verreigelt und verrammelt. Der Grund, warum die Werte im Grenzgebiet zu Tschechien so hoch liegen, liegt auf der Hand, denn im Nachbarland herrscht Notstand.

Jetzt sollen mehr Impfdosen nach Nordostbayern kommen, um die Folgen abzuschwächen. Ab 1.März dürfen in Bayern wieder die Friseure ihrem Beruf nachgehen und Haare schneiden. Ja, warum durften sie das bisher nicht? Schließlich hatten sie sich doch alle auf die geforderten Hygiene-Vorschriften eingestellt. Und im März sollen Gärtnereien, Gärtencenter und Blumenläden öffnen. Denen haben zum Valentinstag die Discounter mit großem Werbeaufwand das Geschäft abgenommen. Auch sogenannte körpernahe Dienstleistungen, wie Fußpflege, sollen jetzt wieder möglich sein. Verboten bleiben aber weniger körpernahe Dienstleistungen wie das Servieren einer Pizza, eines Schäufeles oder eines Eisbechers. Bis wir in der Region die Inzidenzwerte erreicht haben, bei denen auch der Handel und die Gastronomie wieder ihre Leistungen erbringen dürfen, wird Ostern vergehen, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wenn dann alles darniederliegt, kommt ein Lichtlein her. Der Aufschwung nach dem Niedergang: das Atomendlager im Fichtelgebirge. Der Einstieg in eine strahlende Zukunft. Aber das ist wieder ein anderer Dicker Hund!

Der dicke Hund im Februar

Die Diskussionen um den Erhalt oder Abriss des „blauen Hauses“ in der Fabrikzeile nehmen zu. Glücklicherweise, muss man sagen. Denn Stück für Stück werden Denkmäler in Hof dem Erdboden gleichgemacht, um hier moderne gesichtslose Zweckbauten zu errichten. Bereits im Dezember klagte der Dicke Hund sein Leid. Gerade in Hof regiert der Abrissbagger. Jetzt stellt sich die Frage, ob die Fassade des „Blauen Hauses“ zumindest in einen Neubau integriert werden kann. Auch der Kulturlandschaftsbeauftragte des Landkreises Hof, Edwin Greim, sieht in dem Gebäude eines der wenigen noch vorhandenen charakteristischen Zeugen Hofer Industriegeschichte. Er folgt damit der Meinung von Adrian Roßner, dem Kreisarchivpfleger und studiertem Historiker, der erklärt, dass es bei Industriekultur „auch immer um die Menschen geht und ihre Art zu leben“.

Roßner hat nicht nur beim Bayerischen Fernsehen seine eigene Reihe „Adrians Gschichtla“ in der Sendung „Wir in Bayern“. Auch das aktuelle Heft des „Frankentourismus“ stellt ihn als Heimatforscher, Historiker und Häuserretter vor, als „Schatzsucher in der eigenen Geschichte“. Schon bevor der Kämpfer für die Schönheiten der Heimat auf der Welt war, hat der Hofer Künstler Max Dietz Ende der 70er Jahre den Abriss einer reizvollen Jugendstilvilla zugunsten eines fortschritllichen Betonklotzes eindrucksvoll dargestellt. Das Bild heißt „HofPorträt mit Trauerrand“ (Bild oben). Es zeigt die Umrisse der „Deininger-Villa“ und die Betonsäulen zum Neubau des Zentralkaufs, einem ausgesprochen hässlichen Betonklotz, der wiederum abgerissen wurde, um Platz für die „Hof-Galerie“ zu machen. Dem Künstler Max Dietz wird die Arbeit nicht ausgehen wenn es darum geht, weitere Hof-Porträts mit Trauerrand zu schaffen.

Der dicke Hund im Januar

Es klingt wie die „neverending story“, eine Geschichte, die nie aufhört. Sie ist so unglaublich, dass sogar das öffentlich-rechtliche Fernsehen zwei Mal nach Hof kam, um über diesen Fall zu berichten. Vom Moma, dem gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF kam ein Reportage-Team vor wenigen Wochen und berichtete aus dem Hofer Dekanat. Da drohte dem Geflüchteten Naser Rezai (Screenshot: ARD Moma) die Abschiebung nach Afghanistan .

Der junge Mann war vor fünf Jahren aus seiner Heimat nach Deutschland geflohen und wurde in Hof aufgenommen. Er konvertierte hier zum Christentum, wurde 2016 getauft und sogar zum Kirchenvorsteher der Michaeliskirche gewählt. In einem offenen Brief an Bayerns Ministerpräsidenten Söder setzten sich die Mitglieder des Kirchenvorstands für eine Bleibeperspektive von Naser Rezai ein. Er sei sehr gut integriert, stehe kurz vor einer Ausbildung, sei nicht nur ein unbescholtener, sondern auch beliebter Mensch und eine Bereicherung für die Gemeinde. In Afghanistan müsse er aufgrund seines christlichen Glaubens um sein Leben fürchten. Nachdem das  Morgenmagazin zum ersten Mal über den Fall aus Hof berichtet hatte, meldete sich plötzlich Bayerns Innenminister Herrmann zu Wort: „Von Abschiebung kann keine Rede sein.“

Vom Tisch ist der Fall Naser damit aber noch lange nicht. Deshalb kam die Moma-Reporterin Uschi Schmidt kurz vor Weihnachten noch einmal nach Hof. Hier berichtete sie nicht nur aus der Michaeliskirche, sondern auch über den Ausbildungsplatz einer Rehauer Elektrofirma, bei der Naser nach der Abwicklung der Formalitäten, wie Duldung und Arbeitserlaubnis, anfangen könnte. Vorher aber muss sich der Hofer Kirchenvorsteher sein Visum für seine erneute Einreise besorgen. Dazu müsste er nach Indien oder Pakistan in die deutsche Botschaft reisen und mit dem Visum – wenn er es denn bekommt – zurück nach Hof kommen. Hier empfiehlt der Dicke Hund eine einfache Kosten-/Nutzen-Rechnung aufzustellen und den Sinn oder besser Unsinn solcher behördlichen Anordnungen zu überprüfen.