Der Lichtblick im Juni

Am Untreusee taucht plötzlich Kunst auf. Still, geheimnisvoll und mitten in der Natur. Mal wächst ein Gesicht aus Moos an einem Baumstamm, mal entsteht aus Zapfen, Ästen und Holz eine kleine Fantasiewelt. Wer hier spazieren geht, entdeckt immer wieder neue Überraschungen. Der berühmteste anonyme Straßenkünstler der Welt ist Banksy. Seine Werke machen Mauern weltberühmt und Immobilien plötzlich Hunderttausende Euro mehr wert. Doch sein größtes Geheimnis bleibt bis heute ungelöst: Niemand weiß genau, wer er wirklich ist. Und vielleicht hat nun auch der Untreusee seinen eigenen Banksy. Oder seine Banksy. Denn auch hier erschafft jemand im Verborgenen Kunst, die Menschen berührt. Keine Farbe aus der Spraydose, sondern Naturmaterialien werden zur Leinwand der Fantasie. Moos, Holz, Rinde und Tannenzapfen verwandeln den Weg rund um die Eppenreuther Mühle in eine kleine Märchenlandschaft. Diese Kunst ist nicht laut. Sie drängt sich nicht auf. Sie wartet darauf, entdeckt zu werden. Und genau das macht sie so besonders. Der anonyme „Banksy vom Untreusee“ ist für uns der Lichtblick des Monats.

Der Dicke Hund im Juni

Der Dicke Hund erinnert sich: Cocktailschlürfen am Saalestrand, eine stimmungsvoll illuminierte Natur, eine große Wasserfontäne mitten in der Saale, Wasser plätschert und lokale Bands und DJs sorgen für die musikalische Umrahmung. Das war über viele Jahre das Erfolgskonzept des Saaleauenfestes. Lachende Familien, die mit Wasserpistolen sich nass spritzen und Stadträte, die ehrenamtlich an der Kasse sitzen. Gefühlt halb Hof befand sich an diesem Abend in Urlaubsstimmung. Und das Beste: Die Veranstaltung spülte sogar Geld in die Kasse. Wichtige Einnahmen, die wiederum für den lokalen Einzelhandel eingesetzt wurden. Dann kam der Wechsel an der Spitze des Stadtmarketings. Warum dieser ausgerechnet das Erfolgsmodell Saaleauenfest rundum erneuern musste, hat sich den Hofern nie erschlossen. Erst recht nicht, als die erste Veranstaltung aufgrund teurer Bands ein finanzielles Loch ins Budget riss – und schon gar nicht, als dieses Minus-Konzept noch zweimal wiederholt wurde. Die Leitung des Stadtmarketings hat sich inzwischen verabschiedet und die Hofer hoffen, ihr Vorzeige-Sommer-Event zurückzubekommen. Doch falsch gedacht: Das Fest wird in diesem Jahr ausgesetzt „aufgrund personeller Veränderungen innerhalb des Vereins, der damit verbundenen kurzfristigen Planungssituation sowie aktueller wirtschaftlicher Unsicherheiten und finanzieller Risiken.“ Zumindest nächstes Jahr, also 2027, dürfen wir uns nach dem Hofer Volksfest wieder das Saaleauenfest im Kalender eintragen – hoffentlich so, wie wir es kennen und lieben. Gerne wieder mit Hofer Organisationen und Vereinen wie dem SV Hof mit seinen Kanuten und den Reservisten der Bundeswehr, die Besuchern dabei helfen, sich wie Indiana Jones über die Saale zu hangeln. Weniger „Rock im Park“ und mehr Familienurlaub mit Freunden. Für uns der Dicke Hund des Monats.

Der Lichtblick im Mai

Ein Glücksfall für die Kirchenmusik: Hof feiert seine Orgelgeschichte In unserer Region gibt es Koryphäen, auf die wir mit Recht stolz sein können. Keine klassische Regionalprominenz, aber hochgeschätzt in der Fachwelt. Im Bereich der Kirchenmusik beispielsweise die Hofer Familie Stühlmeyer. Dr. Barbara Stühlmeyer ist unter anderem eine international renommierte Hildegard-von-Bingen-Expertin, ihr Mann, Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer, stand mit seinen Kompositionen teilweise sogar im persönlichen Austausch mit dem Papst. Beide haben zahlreiche Bücher und Musikwerke veröffentlicht und organisieren hochkarätige Veranstaltungen. So arbeiten sie aktuell beim 1. Hofer Kirchenmusikfestival von Ludger Stühlmeyer zusammen. Anlass ist ein besonderes Jubiläum: 650 Jahre erste urkundlich erwähnte Orgel in Hof. Oder hätten Sie gedacht, dass Hof mit dem Jahr 1376 zu den ältesten nachweisbaren Orgelstandorten Bayerns zählt? Ab dem 3.Mai läuft daher über fünf Monate hinweg ein breit gefächertes Programm mit Orgelmusik aus allen Epochen, Angeboten für Kinder, Vorträgen, Führungen und natürlich Gottesdiensten. Viele überraschende Gäste haben sich angekündigt. Beispielsweise spielt ein Chefarzt des Hofer Sana Klinikums, der früher Domorganist in Zagreb war. Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat sich als Schirmherr zum Eröffnungsgottesdienst in die Marienkirche am 3.Mai um 10 Uhr angekündigt. Dort werden erstmals seit der Reformation Gesänge aus dem Hofer Franziskaner- und Klarissenkloster erklingen. Viele Städte beneiden Hof um eine solche Ausnahmefamilie. Für uns ist sie der Lichtblick des Monats.

Der Dicke Hund im Mai

Der Dicke Hund mag Tiere – auch mitten in der Stadt. Schwierig wird es jedoch, wenn ihre Hinterlassenschaften überhandnehmen und das Einkaufserlebnis zwischen Kinderspielzeugladen und Familiencafé gründlich vermiesen. So etwa in der Hofer Lorenzstraße vor dem ehemaligen Woolworth und der früheren Spielothek. Der Kampf gegen den Leerstand lässt sich jedenfalls nicht mit einer Taubenplage gewinnen. Außer vielleicht, wenn man Adrian Rossner – alias der Wirtsgogl – glauben mag. In der Meinel Tenne erklärte er augenzwinkernd, es handle sich eigentlich um ein „Taubenkompetenzzentrum“. Die Fastenpredigt bringt auch den Dicken Hund auf kreative Gedanken. Warum nicht den abgekratzten Taubenkot als Düngemittel verkaufen und damit den städtischen Haushalt sanieren? Auch die Vorstellung einer Umsiedlung gefällt ihm. Nur wenige hundert Meter weiter, auf dem Schiller-Areal, hätten die gefiederten Freunde beste Bedingungen für kommende Taubengenerationen. Auf dem brachliegenden, rund 16.000 Quadratmeter großen Schutthaufen wäre sogar noch Platz für die invasiven Kanadagänse vom Untreusee. Solange sich jedoch Vögel samt Hinterlassenschaften ausgerechnet in der Hofer Fußgängerzone ungehindert ausbreiten – befeuert von Unbelehrbaren, die tütenweise Taubenfutter dazukippen – bleibt das für uns: der Dicke Hund des Monats.

Der Lichtblick im April

Von wegen quietschende Streichkonzerte auf unbequemen Stühlen. Wer aus Angst vor Klassik die Konzerte der Hofer Symphoniker verpasst, ist selbst schuld. Zum 80. Jubiläum zeigt das Orchester, was in ihm steckt. Das Konzert „The Sound of James Bond“ versetzte die Freiheitshalle in die actionreiche Welt des berühmtesten Geheimagenten aller Zeiten. Legendäre Soundtracks wie „Skyfall“ und „Goldfinger“ erklangen mit voller Wucht – begleitet von der deutschen Stimme des von Daniel Craig verkörperten James Bond, live auf der Bühne und mit vielen spannenden Hintergrundgeschichten. Der nächste Höhepunkt, „Amadeus rockt“, ist bereits ausverkauft. So soll es sein. Für Familien steht im April das berühmte Kinderbuch „Der kleine Prinz“ auf dem Programm, im Dezember folgt das unverwechselbar weihnachtliche Filmkonzert „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Was 1945 im Nachkriegs-Hof mit vielen Sudetenflüchtlingen begann, ist heute ein Aushängeschild für Hof – und ein Beweis dafür, dass Hochkultur alles andere als abgehoben ist.

Der Lichtblick im März

Im März blickt die deutsche Eisenbahnwelt nach Hof: Der Fahrgastverband ProBahn hält hier seinen Bundesverbandstag 2026 ab – und erinnert damit an die lange und prägende Geschichte der Hofs als Eisenbahnerstadt. Noch heute zeugt das imposante Empfangsgebäude des Sächsisch-Bayerischen Bahnhofs mit seinen Königsälen von dieser bedeutenden Vergangenheit. Doch das Dornröschen bröckelt vor sich hin. Die Stadt Hof will beim Eigentümer, der Bahn, Bewegung in die Sache bringen; mit einer Machbarkeitsstudie und verschiedenen Arbeitsgruppen zum Handeln. Die Eisenbahnfreunde werden zweifellos beeindruckt sein, wenn ihre Blicke über die prunkvollen historischen Decken schweifen – allerdings dürfte die Begeisterung schnell verfliegen, wenn die Gäste die sanitären Anlagen aufsuchen. Der Verbandstag will das Thema Schiene feiern, aber auch den Finger in die Wunde legen. Kaum ein Ort könnte geschichtsträchtiger sein: 1989 blickte die Welt nach Hof – dem Tor zur Freiheit für Tausende Prager Botschaftsflüchtlinge. Die Stadt wurde als offizieller Ort der Demokratiegeschichte ausgezeichnet. Wenn ein solcher Ort verfällt – welches Zeichen setzt das für die Demokratie?

Der Dicke Hund im März

Der „Innenstadt-Papst“ Christian Klotz nannte bei seinem vielbeachteten Vortrag 2019 die Altstadt-Passage einen „Schandfleck“. Das mag manchem dort ansässigen Geschäft nicht gerecht werden. Doch mit dem seit zwei Jahren blinkendem „Spiele-Laden“ gewinnt die Beschreibung des Innenstadt-Experten an Plausibilität. Wer sich unter einem „Spiele Laden“ Tisch-Kicker, UNO und liebevoll sortierte Puzzles vorstellt, der irrt. Stattdessen stehen Spielautomaten und -konsolen in verschiedensten Ausführungen in einem schmucklosen Raum, der zum Zocken animiert – ohne Toilette, aber mit Kaugummiautomat. Blinklichter, Soundeffekte, Dauerbeschallung. Zielgruppe: Kinder und Jugendliche. Bei ähnlichen Plänen für Kulmbach gab es kritische Stimmen im Stadtrat. Hauptargument: die Spielsucht werde gefördert. Automaten sind mit über 80 Prozent die häufigste Form von Spielsucht. Und selbst wenn es nicht soweit kommt, ist es immer ein trauriger Anblick, wenn Kinder wie in Trance vorm Bildschirm sitzen. Zugegeben – solche Szenen kennt man auch vom heimischen Smartphone. Man könnte sich beim Angebot für Familien aber auch nach oben orientieren statt nach unten. Zum Beispiel am neu eröffneten Café „Honighaus“ nahe der Marienkirche: ein Familiencafé mit großzügigem Spielebereich, gepflegter Einrichtung, einer herzlichen persönlichen Betreuung und Atmosphäre zum Verweilen. So kann Innenstadt auch gehen.