Der Dicke Hund im Februar

„Hof ist eine Bierstadt“, das war ein Werbespruch, der bis vor wenigen Jahrzehnten mt Fug und Recht bestand. Von „B“ wie Bavaria- und Bürgerbräu über Deininger-, Falter-, Löwen-und Meinel- bis zu Scherdel-, Schmidt‘s Heiner- und „Z“ wie Zeltbräu. Übrig geblieben sind mit der Brauerei Scherdel und der Meinel-Bräu zwei Brauereien. Für Scherdel wurde zum Jahresende die Schließung bekanntgegeben, so dass dann nur noch die familiengeführte Meinel-Bräu übrig bleibt. Freilich stellen sich Fragen auf, wie: Was wird dann mit der Belieferung zum traditionellen Hofer Schlappentag? Nach der Schließung der Hofer Zeltbräu hatte die Scherdelbräu das Schlappenbier eingebraut und auf den Markt gebracht. Das ist auch dieses Jahr gesichert. Wer aber im kommenden Jahr das Bier zum Hofer Schlappentag einbraut steht noch nicht fest. Auf die Meinelbräu als dann letzte Hofer Brauerei wartet eine große Aufgabe als die im kommenden Jahr letzte Bierbrauerei in der Stadt Hof. Ganz nach dem Motto: Es gibt viel zu tun, packen wir‘s an. Oder in diesem Fall: Es gibt viel zu tun, drink mer nuch aans!“.

Der Dicke Hund im Januar

„Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ sang schon in den 70er Jahren Jürgen Marcus. Aber ein neues Leben birgt eben auch das Risiko, schnell wieder alt zu werden. Also sind wir zufrieden mit dem was wir haben. Das ist schon mal ein gutes Motto für das neue Jahr, das uns bevor steht. Bereits nach dem Jahreswechsel stellt sich heraus, dass alles beim alten geblieben ist. Ob das Alte gut oder schlecht war, wird sich noch herausstellen. Bei der Kostenentwicklung steht allerdings schon fest: Zieht euch warm an. Außer der Butter klettern die Preise zum Teil sprunghaft nach oben, Einkommen und Renten können da nicht mithalten. Da kehrt der Sparzwang in vielen Haushalten ein.Die großen Verbraucher- und Supermärkte locken mit verführerisch hohen Rabatten. Doch die gelten erst ab einem Einkauf von Mindestbeträgen oder Apps. Zumindest hat der Kunde noch die Möglichkeit, weniger einzukaufen und weniger Rabatt zu bekommen. In vielen anderen Bereichen hat Otto Normalverbraucher derartige Auswahlmöglichkeiten nicht. Zum Beispiel bei den Versicherungen. Die gehen in vielen Fällen nach oben. Da bleibt dem Durchschnittsbürger, der mit jedem Pfennig, jetzt richtigerweise Cent, rechnen muss, nur der Spartipp eines Politikers aus früheren Zeiten, der da hieß: „Gürtel enger schnallen!“. Für alle, die schon beim letzten Loch des Gürtels angelangt sind, ist das der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im Dezember

„Hof, Braustätte guter Biere.“ – Mit diesem Spruch schmückte sich die Stadt Hof zu einer Zeit, als es dort noch zahlreiche Braustätten gab – und warb damit auf Briefen, die von Hof in alle Welt gingen. Von einst zehn Brauereien in der Stadt sind heute nur noch zwei übrig geblieben: die Scherdel und die Meinel-Bräu. Anfang 2027 wird die Scherdel-Brauerei Produktion und Vertrieb in Hof einstellen, sodass nur noch die Meinel-Bräu bleibt. Und es sieht danach aus, dass zwei junge Frauen die Hofer Biertradition am Leben erhalten werden: Gisela und Monika Meinel-Hansen. Zum Glück gibt es mit der Brauerei Stelzer in Fattigau noch eine weitere, familiengeführte Braustätte im Hofer Land, die ebenfalls auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken kann. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Brauriesen immer mehr kleine Brauereien vereinnahmt. Deshalb wird „Bier von hier“ immer mehr zur Ausnahme. Im kommenden Jahr kann die Stadt Hof noch zwei Braustätten vorweisen – ein Jahr später, 2027, bleibt nur noch die von Frauenpower geführte Meinel-Bräu als Hofer Braustätte übrig. Von zehn Brauereien auf nur eine im Jahr 2027 – das ist für uns der dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im November

„Hof – Braustätte guter Biere“ das war Jahrzehnte lang ein Werbespruch der Hofer Brauereien, Er trifft auch heute noch zu, aber es wird eng. Bereits in den 70er Jahren begann das Brauereisterben. Die Brauerei Scherdel übernahm die SchmidtsHeiner und legte diese still. Der Brauereikonzern EKU der die Hofer Brauereien Bavaria, Deininger-Kronenbräu und Georg Weidner und die Brau AG, Nürnberg die die Hofer Löwenbräu übernommen hatten haben diese aus Rationalisierungsgründen in den 80ern eingestellt und die Zahl der Brauereien halbierte sich. Dabei sah es nach der Grenzöffnung für die Brauereien in Hof so aus, als könnten alte Absatzgebiete in Sachsen und Thüringen zurückgewonnen werden, doch hier war die Übermacht der konkurrierenden auswärtigen Großbrauereien zu groß. Anfang der 2000er wurde in Hof der Betrieb der Bürgerbräu, Falter und Zeltbräu eingestellt. Die Brauerei Scherdel wurde von der EKU, Kulmbach übernommen und als eigener Betrieb weitergeführt. Von ehemals einer Vielzahl von Braustätten des edlen Gerstensaftes sind damit gerade noch zwei übrig geblieben. Meinel als reine Privatbrauerei und Scherdel als Tochter der Kulmbacher Brauerei AG. Diese hat nun angekündigt, die Produktion Ende 2026 in Hof einzustellen. Es ist ziemlich einsam geworden um das Bier von hier. Damit bleibt von den Hofer Braustätten gerade noch die private Meinel-Bräu übrig.

Der Dicke Hund im Oktober

Im Oktober kommen dank der Hofer Filmtage wieder Menschen aus der ganzen Welt nach Hof. „Hoffentlich nicht mit der Bahn“, denkt sich da der dicke Hund. Denn während im Rest der Republik und im Nachbarland Tschechien moderne Elektrozüge fahren, heißt es in Hof „umsteigen“. Denn rund um Hof sind die meisten Bahnstrecken noch nicht elektrifiziert. Hier müssen weiter aussortierte Dieselloks wie der abgehalfterte Pendolino auf den Schienen rumpeln. Seit drei Jahrzehnten sitzen Bahn und Bund den notwendigen Ausbau aus. Und immer, wenn der dicke Hund denkt, es geht nicht schlimmer, reicht ein Blick auf die Bahn. Anstatt die Strecke Nürnberg–Marktredwitz zu elektrifizieren, wurde sie von einem Tag auf den anderen komplett stillgelegt. Der Grund: marode Brücken. Kam natürlich auch völlig überraschend bei einer 150 Jahre alten Brücke. Tausende Pendler sind betroffen. Für alle Bahnreisenden ab Hof und Marktredwitz gibt es auf unbestimmte Zeit keine direkte Schienenverbindung mehr nach Nürnberg. Armin Kroder, Landrat des Nürnberger Landes, sagt: „Was wir hier erleben, ist eine hausgemachte Verkehrskatastrophe. Statt endlich in Ausbau und Elektrifizierung zu investieren, wurde die Instandhaltung verschleppt. Jetzt zahlen Pendler und die ganze Region den Preis.“ Aber vielleicht ist das der Plan der Bahn. Warum die Strecke an den aktuellen technischen Stand anpassen, wenn man sie ganz dem Verfall preisgeben kann? Für uns der dicke Hund des Monats und vielleicht Inspiration für den nächsten Film auf den Hofer Filmtagen. Es wird ein Drama oder ein Krimi.

Der Dicke Hund im August

Endlich ist es da, das neue bayerische Ladenschlussgesetz. Seit 1.August ist geregelt, dass die Geschäfte von Montag bis Samstag von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr abends geöffnet haben dürfen. Donnerwetter, denkt sich der Dicke Hund, das war doch auch vorher schon so. Recht hat er. Aber neben dieser Nicht-änderung gibt es auch Neuigkeiten. An höchstens vier Sonn- oder Feiertagen pro Jahr können Geschäfte „anlassbezogen“ im Rahmen von Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen öffnen, für fünf Stunden, die spätestens um 18 Uhr enden müssen. Diese sogenannten verkaufsoffenen Tage werden von der jeweiligen Gemeinde freigegeben. Allerdings gibt es bei allen Vorschriften wieder Ausnahmen. Für Automaten. Die personallosen digitalen Kleinstsupermärkte dürfen, sofern sie nicht größer als 150 Quadratmeter sind, rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen öffnen. Da wird sich Oma Anna aber freuen, wenn es ihr gelingt, mit ihrer Scheckkarte oder ihrer Handy-App die Eingangstür zu öffnen, einen kritischen Plausch mit dem Automaten zu führen, weil er ihr mündliches Kommando „Ich möcht a Stückla Butter“ nicht befehlsgemäß ausführt. Personal, dass der hilfesuchenden Dame zur Hilfe kommen könnte, ist laut Gesetz verboten. Allerdings gibt es weitere Ladenschluss-Ausnahmen. Zum Beispiel Geschäfte in Bahnhöfen. Wenn es aber in Kleinkleckersbach keinen Bahnhof gibt, hat Oma Anna schlechte Karten. Auch an Flughäfen kann man einkaufen, doch selbst am Airport Hof-Plauen gibts nichts für Einkauf nach Ladenschluss, keinen Kiosk, nicht einmal einen airportüblichen Duty Free-Shop. Für Oma Anna dürfte das jetzt nicht allzu tragisch sein, denn zum Wochenbeginn kann sie wieder alles einkaufen was das Herz begehrt, sofern ihr Geldbeutel das hergibt. Für den Handel in Hochfranken bleibt durch das neue bayerische Ladenschlussgesetz ein Problem weiter bestehen. Während die Geschäfte im nahe gelegenen sächsichen Vogtland, speziell in Plauen, an meist zwei Advents-Sonntagen im Dezember öffnen dürfen, ist das den Kollegen auf bayerischer Seite untersagt. Was dazu führt, dass die Menschenmassen an diesen Tagen von Hochfranken ins Vogtland zum Einkaufen pilgern. Umsätze, die gerade der gebeutelte Einzelhandel dringend brauchen würde, gehen verloren. Tote Hose in Hof in Bayern, Weihnachtseinkäufe und klingelnde Kassen in Plauen in Sachsen. Aber das ist für unsere gesetzgebenden Organe offensichtlich zu weit gedacht. Für uns der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im Juli

Sie liegen im dicken Stapel vor der Haustür und möchten gerne aufgehoben und gelesen werden: die Prospekte der Lebensmittelhändler. Längst verkaufen sie mehr als das, was man zum täglichen Verzehr braucht, wie Brot, Butter, Saft, Bier oder Schnaps, Obst und Gemüse, Fleisch, Wurst oder Hundefutter für den dicken Hund. Sie beglücken uns auch mit dem, was man früher im Fachhandel erhielt. Fachhandel, das waren die gut sortierten spezialisierten Läden, die die Innenstädte belebten. Diese Geschäfte, in denen man stöbern und sich beraten lassen konnte, sind dank Internet-Handel und den Handelsriesen Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und ihrer Ableger weitgehend verschwunden. Die Marktführer beglücken uns dafür mit – aus ihrer Sicht – sensationellen Angeboten. Die gibts aber nur mit der App, auf gut fränkisch „Äbb“. Die kann man sich aufs Handy, jetzt Smartphone, laden und ist dann mit dem entsprechenden Handelsunternehmen verbunden. Jetzt bekommt man vieles billiger, auch wenn man es gar nicht haben will. Dafür gibts ein Gegengeschäft, einen Deal. Der Händler bekommt Daten: Wohnanschrift, Geburtsdatum, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Informationen, wann man wo was eingekauft hat. Wer diesen App-Wahn nicht mitmachen will, muss für seinen Einkauf, teils erheblich, mehr bezahlen. Für uns der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im Juni

Es ist ein alljährlich wiederkehrendes Trauerspiel. Der Haushalt der Stadt Hof gerät aus den Fugen. Die Stadt Hof bräuchte, ganz im Stile der neuen Bundesregierung, ein Sondervermögen, das letztendlich aus Schulden besteht. Denn die Stadt hat Sozialausgaben, die astronomische Höhen erreichen. Es sind fast 79 Millionen Euro, von denen sie etwa 43 Millionen selbst tragen muss, etwa doppelt so viel wie noch im Jahr 2020. Weil das von der Stadt nicht zu schultern ist, soll sie anderweitig sparen und den Bürgern mehr Geld abknöpfen. Ersichtlich an neuen Parkautomaten in der Innenstadt. Seitdem sieht man verwaiste Stellflächen. Ob das dazu beiträgt, Hof als Einkaufsstadt zu bewerben, ist fraglich. Traurig sind die seit letztem Jahr eingeführten Spaßmaßnahmen bei einigen Hofer Brunnen. Ganz speziell der von der Künstlerin Margarete Wiggen gestaltete, aus 22 Bronzeschüsseln bestehende Brunnen am vielbefahrenen Q-Bogen. Abgedeckelt wie eine Miniaturausgabe des geborstenen Atomkraftwerks von Tschernobyl. Für uns nach wie vor der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im Mai

Ab und zu strolcht der dicke Hund mit seinem Herrchen durch die Bahnhofsgegend. Nicht schlecht, denkt er sich beim Anblick schöner Häuser in Straßenzügen, die in Zeiten der Dampfloks vom Kohlestaub schwarz eingefärbt waren. Aber leider, gerade Vorzeigeobjekte wie das Bahnhofsgebäude bröseln vor sich hin und sind alles andere als ein attraktives „Willkommen in Hof“. Führt den Hof-Besucher sein Weg über die Königstraße in Richtung Innenstadt, kommt ein fürchterlicher Kulturschock. An der Gabelung zur Alsenberger Straße sieht man das schön gestrichene Wohnhaus, das einst die Gaststätte Bürgerbräu beherbergte. Hier thronten auf dem Balkon links und rechts zwei künstlerisch gestaltete Figuren (Archiv-Foto unten rechts) und blickten Richtung Pfarr. Der heutige Anblick erinnert an einen Taliban-Angriff. Der eine Knabe ist enthauptet, dem anderen fehlt der komplette Oberkörper – alles andere als ein schöner Anblick für Hofer und Hof-Besucher. Für uns der Dicke Hund des Monats.

Der Dicke Hund im April

Durch die Ampelmännchen-Debatte hat es der Wärschtlamo ins Bayerische Fernsehen geschafft. Unter dem Motto „Ampelstreit in Hof – Männchen oder Wärschtlamo“ berichtete die Sendung „quer“ über die Bemühungen der SPD-Stadträte, den „mobilen Wurstverkäufer“ als Ampelmännchen zu etablieren. Das hof-programm hatte im November 2021 einen Entwurf (rechts) vorgestellt. Der Ampel-Vorschlag war von der Regierung von Oberfranken abgelehnt worden. Jetzt wurde in München eine Ampel mit einem Pumuckl-Motiv genehmigt und installiert, In Hof schöpfte man Hoffnung – vergebens. Die „quer“-Redaktion griff das Thema auf, erhielt jedoch auf ihre Anfrage bei der oberfränkischen Regierung in Bayreuth keine Antwort. So wird das Ansinnen aus Hof wohl im Sande verlaufen, auch wenn es entsprechende Ausnahmen nicht nur in München gibt, sondern auch in Bamberg (das Sams) oder Plauen (Vater & Sohn). Aus keiner der Städte ist zu hören, dass die neuen Ampelfiguren die Verkehrssicherheit beeinträchtigen würden. Auch in München nicht. Die Landeshauptstadt greife mit dem Projekt „die Thematik der Verkehrssicherheit auf und möchte durch das auffällige Design besonders Kinder auf ihrem Schulweg spielerisch dazu ermutigen, verstärkt auf die Ampelsignale zu achten“. Na also, die Sicherheit für Kinder wäre bei einer Wärschtlamo-Ampel eher verbessert statt verschlechtert. Ist also die Ablehnung ein Zeichen der Bürokratie, die doch eigentlich abgebaut werden soll? Für uns einmal mehr der Dicke Hund des Monats.